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Geistliche Impulse

Worte zum Tag und zum Sonntag
von Pfarrer Steffen Reiche

Über den Link
https://www.hauptstadt.tv/sendungen.html

gelangt man zu den Sendeformaten von Hauptstadt-TV (Potsdam).
In der 3. Kachelreihe befinden sich die Kacheln "Wort zum Tag" (Tageslosung)
sowie "Wort zum Sonntag".
Bei Anklicken der Kachel öffnet sich jeweils eine Kachel mit der aktuellen/letzten Sendung, darunter die aufgezeichneten früheren Sendungen nach Datum geordnet.

 

 



26.07.2020 7. Sonntag nach Trinitatis

Liebe HauptstadtTV-Gemeinde,

Bestimmt haben Sie schon oft das große Ökumenische Glaubensbekenntnis von Nicäa-Konstantinopel im Gottesdienst mitgesprochen. Es wurde 325 von einer Synode in dem heutigen türkischen Nikaia 325 verabschiedet und dann 451 in Ostrom, in Byzanz, in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul erweitert und gilt heute als wichtigstes ökumenisches Glaubensbekenntnis. Hier in der Hagia Sophia und ihren beiden Vorgängerbauten sind die Weichen für die Entwicklung des christlichen Glaubens gestellt worden. Byzanz, also Ostrom, ist über 1500 Jahre ein Augapfel des Christentums gewesen. Neben Westrom. Neben dem Petersdom. Die Hagia Sophia, die Sophienkirche von Istanbul, ist die älteste, manche sagen sogar die wichtigste und schönste Kirche der Ökumene. Sie war nach der Eroberung von Byzanz rund 400 Jahre Moschee und wurde unter Atatürk vor 86 Jahren Museum. Nun soll sie wieder Moschee werden. Damit Erdogan die Stimmen konservativer muslimischer Wähler mit dieser Entscheidung, die er noch im vergangenen Jahr ablehnte, gewinnen kann. In der Zeit nach 1955, als die Zahl der türkischen Muslime hier in Deutschland auf 3, 5 Millionen gestiegen ist und die Zahl der Moscheen auf 2500 angewachsen ist, sind die Christen aus der Türkei vertrieben worden. Gab es 1955 noch rund 10 % Christen in Istanbul, sind es heute weniger als 1%, in der Türkei nur noch rund 0,2 %. 1683 hat die Türkei das letzte Mal versucht, Wien zu erobern. Wir verantworten uns bis heute für die Kreuzzüge. Aber fast keiner spricht darüber, dass danach Istanbul von den Türken in ihren Halbmondzügen erobert worden ist und man bis 1683 versuchte, den Westen zu erobern und zu islamisieren. Stellen sie sich mit mir bitte vor, die deutsche Regierung würde die Zentralmoschee der DITIB in Köln-Ehrenfeld, um konservative Wählerstimmen zu gewinnen, in eine Kirche verwandeln. Deshalb ist jetzt die Evangelische Kirche in Deutschland gefragt, zu protestieren. Gemeinsam mit der GEKE, der Gemeinschaft der Kirchen in Europa. Und Bundeskanzlerin Angela Merkel muss, weil Deutschland seit dem 1. Juli die Ratspräsidentschaft der Europäischen Union innehat, für die EU bei der Türkei, schärfsten Protest einlegen. Und wir als Bürger müssen mit unseren türkischen Freunden und Nachbarn darüber reden. Ein Museum im östlichen Augapfel der Weltkirche ist eine Zumutung. Dort aber wieder eine Moschee einzurichten, fordert eine weltweit unüberhörbare und klare Reaktion. Bis hin zur Verweigerung der Baugenehmigung für die weiteren 120 in Deutschland derzeit geplanten Moscheen. Nicht Auge um Auge oder Zahn um Zahn. Aber wir haben uns 2500 Mal auf die rechte und linke Wange schlagen lassen mit jedem Moscheebau in Deutschland. Und sollen doch klug sein wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben, wie Jesus uns ermahnt hat.

Eine Provokation ohnegleichen. Und verzeihen Sie: Es reizt mich zum Erbrechen, „wenn manche Muslime über Islamophobie klagen, aber laut applaudieren, wenn ein kulturelles Monument der Christenheit zur Moschee gemacht wird. Und frage mit ihm: Warum gilt die Toleranz, die sie für sich einfordern, für die Christen in der Türkei nicht auch????“

So sage ich es mit Ertan Toprak.

„Die Entscheidung über die Hagia Sophia trifft allein die Türkei, denn sie ist allein zuständig.“ Sagt Sultan Erdogan. Was aber wäre, wenn Israel dasselbe sagen würde über die Al Achsa Moschee auf dem Tempelberg. Wie lange wollen wir zuschauen und nur protestieren, weil uns Jesus gesagt hat, dass wir 7 mal 70 mal vergeben sollen und weil er uns gesagt hat, dass wir dem, der uns schlägt, auch die andere Wange hinhalten sollen? Ich mache das, aber ich will wenigstens dabei schreien. Wohlwissend, dass Mohammed, der nicht nur Prophet, sondern auch Clanchef, also Kanzler war und zugleich der Oberste und Erste Feldherr der weltweiten Umma, zum Dschihad ruft, zum Glaubenskampf.

„Das Europa, das den Wahabismus duldet, ist nicht liberal, sondern kolonialistisch. Die Unterscheidung zwischen sogenannten ‚gemäßigten‘ Islamisten wie der Muslimbruderschaft und extremistischen Islamisten ist eine Illusion.“ sagt Wael Farough, ägyptischer Muslim, Professor der Arabischen Sprache an der Katholischen Universität vom Heiligen Kreuz in Mailand, in einem Interview mit dem Wochenmagazin Tempi.

Bleiben sie gesundBehütet.

 

Montag, 27.07.2020

Liebe HauptstadtTV-Gemeinde,

„Der HERR gibt Weisheit, und aus seinem Munde kommt Erkenntnis und Einsicht.“ lesen wir in den Sprüchen Salomos als Losung für heute. Wer nur mit sich selbst redet und Anderen nur nach dem Munde redet, der wird nicht weise. Aber wer zuhört, einem Anderen zuhört oder eben gar Gott, der sammelt Erkenntnis und Einsicht. Denn ihm wird etwas offenbart! Er kann etwas erkennen, weil der Andere ja mehr, oder eben zumindest anderes weiß. Und er bekommt Einsicht, zumindest in das Denken eines Anderen oder eben sogar in den Ratschluss Gottes.

So gibt Gott Weisheit, in dem wir ihm im Gebet zuhören. Uns ihm zumindest öffnen oder einem anderen Menschen zuhören, der von Gott redet, weil er, weil sie, sich Gott verdankt. Und so wird Erkenntnis und Weisheit genau nach dem wichtigsten Gebot gewonnen, dass Jesus uns gesagt hat: dem Dreifachgebot der Liebe. Du sollst Gott lieben und Deinen Nächsten und Dich selbst. In diesem Dreieck kann sich wirkliches Leben entfalten – denn Leben ist nur dort, wo jemand sich eben Gott und seinem Nächsten wie sich selbst öffnet.

Es gibt dieses widerliche Experiment von dem Stauferkönig Friedrich II, der vor knapp 1200 Jahren Kinder mit Essen und Trinken versorgte, aber ihnen keine Liebe, keine Ansprache durch andere Menschen, keine Berührung ermöglichte. Die Kinder sind eingegangen, sind gestorben, weil sie nur als Menschen leben konnten, aber eben nicht als Menschen behandelt worden sind.

Im Neuen Bund, im Neuen Testament schreibt der Apostel Jakobus: „Wenn es jemandem unter euch an Weisheit mangelt, so bitte er Gott, der jedermann gern und ohne Vorwurf gibt; so wird sie ihm gegeben werden.“ Sie denken, dass wäre ein Wunder? Nein, das ist etwas ganz Logisches. Denn wenn es jemand an Weisheit mangelt und er bittet Gott um Weisheit, in genau dem Moment hat er schon den ersten großen Schritt auf Weisheit zu gemacht. Denn er hat akzeptiert und kapiert, dass er sich Weisheit nicht selbst erarbeiten kann! Nicht mit dem Nürnberger Trichter selber eintrichtern kann. Sondern dass er sich öffnen muss und Weisheit dann geschenkt bekommt. Auf die Haltung, in der man der Weisheit begegnet, kommt es an.

Deshalb ist es eben eine hagia sophia, eine Heilige Weisheit. Und es ist eine abenteuerliche Dummheit, die Kirche, die dieser Weisheit gewidmet ist, seit bald 1700 Jahren, seit ihrem ersten Bau an diesem Ort, nun nicht mehr als Museum, sondern als Moschee zu benutzen. Eine Provokation ohnegleichen. Und verzeihen Sie: Es reizt mich zum Erbrechen, „wenn manche Muslime über Islamophobie klagen, aber laut applaudieren, wenn ein kulturelles Monument der Christenheit zur Moschee gemacht wird. Sagt der Muslim Ertan Toprak. Und ich frage mit ihm: „Warum gilt die Toleranz, die sie für sich einfordern, für die Christen in der Türkei nicht auch????“ Bleiben sie gesundBehütet.

 

Dienstag, 28.07.2020

Liebe HauptstadtTV-Gemeinde,

„Bis hierher hat uns der HERR geholfen.“ sagt der Prophet Samuel nach bestandenem Kampf gegen die Philister, zu lesen im 1. Buch Samuel im 7. Kapitel. Und er opfert Gott dort, wie es die Menschen jener Zeit gemacht haben und richtet einen Stein der Hilfe, einen „eben ezer“ auf, der Israel daran erinnern soll.

Wunderbare Demut! Nachdem sie gerade einen Kampf gewonnen haben und viel Mut und Kraft dafür brauchten. Zu wissen, dass alles an Gottes Segen gelegen war. Mit dem Vorwurf, warum Gott hast Du uns nicht geholfen oder warum Gott, hast Du zugelassen, dass mir das oder jenes passiert ist, sind wir schnell bei der Hand.

Wenn wir alles versucht haben, aber die Kraft nicht reichte oder das Glück uns nicht hold war. Dann suchen wir einen Schuldigen! Und einer, der immer bei der Hand ist, ist Gott. Und der sich dann auch oft nicht verteidigt! Aber das tut er nur, um uns mit seinem berechtigten Lachen nicht zusätzlich zu verunsichern! Zu ärgern. Zu provozieren.

Aber wenn wir es geschafft haben, dann waren wir es natürlich selber. Dann sind wir so froh, dass wir uns selber auf die Schulter klopfen, fröhlich innehalten und etwas darauf trinken. Denn wir sind noch ganz außer Atem. Der Hals ist uns trocken von der Anstrengung. Aber Samuel in seinem prophetischen Geist denkt anders. Tickt anders. Und sagt ein Wort, was zum geflügelten Wort geworden ist. Weil es wie auf Flügeln durch die bald 3 Jahrtausende zu uns gekommen ist! Weil es die Entfernung aus dem Nahen Osten, dem Orient, zu uns hier ins Abendland geschafft hat.

„Bis hierher hat mich Gott gebracht“, denke ich manchmal. Viel zu selten. Aber wenn ich es denke, dann bin ich dadurch, dass ich es denke und indem ich es sage, noch erfüllter von Dankbarkeit. Weil ich mich nicht nur unterstützt fühle, also im Erfolg nicht allein bin, sondern weil ich auch merke, dass ich da, wo ich bin, willkommen bin, von Gott gewollt werde.

„Bis hierher hat mich Gott gebracht.“ Ich bin also hier richtig. Ich kann mir Zeit lassen, um nachzudenken, um mich zu orientieren. Und dann geht es weiter. Und dann wird Gott mich doch weiter begleiten. Mich weiter bringen. Und so habe ich den Kopf frei und meine Kraft wächst, um nun auch das Meine dazu zu tun.

Wohl wissend, dass alles an Gottes Segen gelegen ist. Und dann kann es so sein, wie es Paulus beschreibt und wie wir es ja auch schon erlebt haben: „Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht.“ (2. Korinther 4,8) Denn nicht nur die Corona-Krise und der Klima-Wandel bedrängen uns, sondern auch die Wirtschaftskrise, die politische Spaltung unserer Gesellschaft, die unangenehme political correctness und der widerliche Extremismus von rechts und links und dem Islam. Wer da in seinem Verstand nicht unruhig wird, der hat keinen. Bleiben sie gesundBehütet.

 

Mittwoch, 29.07.2020

Liebe HauptstadtTV-Gemeinde,

„Ich bin nackt von meiner Mutter Leibe gekommen, nackt werde ich wieder dahinfahren.“

Das lesen wir als Losung gleich am Anfang des großartigen Hiob-Buches. Vieles von dem, was ich, was Sie, was wir, immer wieder im Leben tun, hängt damit zusammen, dass wir diese einfache Einsicht verdrängen wollen. Und ein nicht unwichtiger Teil der Trauer und Betroffenheit, wenn wir an Gräbern von uns nahen Menschen stehen ist, dass wir dieser Einsicht dann zumindest für eine kurze Zeit ausgesetzt sind.

Beim ersten Geburtstag, dem in die Zeit, und dem 2. Geburtstag, dem in die Ewigkeit, wird unüberbietbar an uns gehandelt. Wir sind selber nicht aktiv. Und zugleich sind wir nackt. Wie wir aus dem Mutterleib kommen, so gehen wir auch wieder dahin. Denn das letzte Hemd hat keine Taschen. Der Sarg kann zwar aus Mahagoni sein oder eben nur aus Pressspan, die Urne kann aus Plaste sein oder eben aus Eichenholz, aber mitnehmen können wir nicht. „Wir haben nichts in die Welt gebracht; darum können wir auch nichts hinausbringen.“ schreibt Paulus an Timotheus.

Was von uns bleibt und manchmal sogar bis zu einem Denkmal reicht, das haben wir, Gott sei es gedankt, uns erarbeitet. In unserem Leben – aufgrund der Erfahrungen, die wir sammeln konnten, und von dem Ort und der Familie her, in die wir hinein geboren worden sind. Und die uns ins Leben begleitet hat, erzogen hat, heraus gezogen hat aus der Unmündigkeit, in die hinein wir geboren wurden.

„Wenn wir aber Nahrung und Kleider haben, so wollen wir uns damit begnügen.“ ergänzt Paulus. Und das beides ist deshalb auch zu einem Menschenrecht geworden, dass wir, konsequenter als bisher, auch für alle Menschen an allen Orten sicherstellen müssen. Durch die Vereinten Nationen. Man braucht etwas zu Essen und Kleidung, um die eigene Scham zu bedecken. Und die Freiheit, seinen Glauben an Christus zu leben, damit uns das dann auch reicht. Damit wir uns damit schon zufrieden geben können. Und damit wir aus dieser Freiheit heraus, uns die Freiheit eines Christenmenschen erkämpfen können. In der wir dann unendlich frei sind und eine wunderbare innere Größe erkämpfen können. Und so über uns selbst hinauswachsen können. Bleiben sie gesundBehütet.

Letzte Änderung am: 29.07.2020