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Geistliche Impulse

Worte zum Tag und zum Sonntag
von Pfarrer Steffen Reiche

Über den Link
https://www.hauptstadt.tv/sendungen.html

gelangt man zu den Sendeformaten von Hauptstadt-TV (Potsdam).
In der 3. Kachelreihe befinden sich die Kacheln "Wort zum Tag" (Tageslosung)
sowie "Wort zum Sonntag".
Bei Anklicken der Kachel öffnet sich jeweils eine Kachel mit der aktuellen/letzten Sendung, darunter die aufgezeichneten früheren Sendungen nach Datum geordnet.

 

 

Predigten und Worte zum Tag

25.10.2020 20. Sonntag nach Trinitatis

Liebe Schwestern und Brüder,

„Amos sprach: Ich bin ein Rinderhirt, der Maulbeerfeigen ritzt. Aber der HERR nahm mich von der Herde und sprach zu mir: Geh hin und weissage meinem Volk Israel!“ Und als Jesus „am Galiläischen Meer entlangging, sah er Simon und Andreas, Simons Bruder, wie sie ihre Netze ins Meer warfen; denn sie waren Fischer. Und Jesus sprach zu ihnen: Kommt, folgt mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen!“ ist die Losung für heute. Mit ganz einfachen Leuten hat es also angefangen. Und was ist daraus geworden. Amos, der Kuhhirte, hat mit seiner Prophetie und dem heiligen Zorn darin eine Kraft zur Veränderung entfesselt, die bis heute nicht nachgelassen hat. An seiner Wut über die Ungerechtigkeit und das Unrecht müssen wir uns bis heute messen lassen. Sie fordert uns bis heute heraus. Denn er nimmt kein Blatt vor den Mund. Das ist kein kirchenamtliches Geschwurbel, das niemand verprellen will und es allen doch irgendwie versucht recht zu machen. Unrecht wird beim Namen genannt. Unhaltbare Zustände werden aufgedeckt und denen, die dafür verantwortlich sind, wird gesagt, dass Gott selbst das nicht mehr dulden will. Das Gott selbst der Geduldsfaden reißt. „Mich verdrießt die Hoffart Jacobs, spricht Gott und ich hasse seine Paläste.“ Und auch Petrus, der Fels auf den Jesus seine Kirche gebaut hat, ist wie sein Bruder Fischer. Einfache und arme Leute. Mit denen fängt Gott an, fängt Jesus an. Denn sie wissen nicht alles schon besser, sind nicht verbildet wie die Gebildeten, sondern offen zu hören und das Gehörte weiter zu sagen.

Gerade war eine Kritik an der neuen Enzyklika unseres Papstes Franziskus in einer Kirchenzeitung zu lesen. Sie wäre so einfach wie ein John Lennon Song. Aber der begeistert wenigstens, was man von den selbstreferentiellen Schriften dieses Theologen nicht sagen kann. Ja, wer in der Nachfolge Jesu steht, der sollte sich auch in dem, was er wie sagt, in die Lehre seines Meisters Jesus begeben. Jesus war von ganz wundervoller Klarheit und Direktheit in allem was er sagte und tat. Und der Heilige Franziskus hat es ihm über 1000 Jahre später in seiner Nachfolge nachgetan. Und Papst Franziskus, der Erste, der den Mut hatte diesen Namen zu wählen und der auch wirklich so arm wie der Heilige Franziskus in seiner Herberge wohnt und nicht im Lateranpalast, hat mit „Tutti fratelli“ eine begeisternd einfach, klare Botschaft an das Volk Gottes auf Erden geschrieben. Eine, die auch wirklich allem Volke widerfahren kann, weil wir sie verstehen. Und die nicht nur einigen hochgelahrten Theologen zugänglich ist und deshalb nur in kleiner Auflage erscheint. Eine Botschaft, die Menschen begeistert und träumen lässt. Denn darauf kommt es doch an! „Denn wer die Welt verändern will, muss tiefer träumen und wacher sein als Andere.“ Kann man auf der Freundschaftsinsel mitten in der Potsdamer Havel lesen von Karl Förster. Also mit dem Träumen fängt es an. Und wer dann nicht nur endlos träumt und die Hölle unserer Welt zulässt, sondern bereit ist  aufzuwachen, der beginnt dann, seinen Traum und Auftrag Gottes umzusetzen. Eine neue Wirklichkeit zu schaffen. Oft haben Evangelikale und Pietisten in der Vergangenheit diesen Mut gehabt, zu träumen und aufzuwachen und zu handeln. Aber heute sehe ich sie, vor allem in den USA, wie sie einem der schlimmsten Betrüger und Lügner auf den Leim gehen. Nur weil er ihnen Dinge verspricht, die er selber nie gemacht und gehalten hat und ihnen nach dem Munde redet. Und so kann er „die dringlichsten Probleme nicht lösen, weil er selbst das dringlichste Problem ist.“ Und deshalb rufe ich diesen Evangelikalen zu: Gott hat einfache Menschen berufen. Aber nicht dumme. Wacht endlich auf und seht, dass dieser Kaiser nackt ist. Und damit kann man keinen Staat machen. Erst recht keine Weltmacht. Bleiben sie gesundBehütet.

 

26.10.2020

Liebe Schwestern und Brüder,

Ich, ich bin euer Tröster! Wer bist du denn, dass du dich vor Menschen fürchtest, die doch sterben?“ fragt uns Jesaja. Ja, Furcht vor Menschen ist Angesichts Gottes lächerlich. Denn auch die Mächtigsten sind ohnmächtig vor dem Tod. Wir alle sind länger tot, als wir leben. Das ist nur die zynische Variante von menschlicher Ohnmacht. Die glaubt, dass dann nichts mehr kommt. Affe tot, Klappe zu. Aber das genau darf und soll für uns nicht mehr gelten, wenn wir dem lebendigen Gott glauben. Denn wenn wir dem lebendigen Gott glauben, dann wissen wir uns auch im Tod geborgen bei ihm. Dann wissen wir uns in diesem Leben in seinem Auftrag. Gott hat etwas mit uns vor. Mit jedem von uns. Nicht alle Tage. Aber immer wieder einmal ist Gott auf uns angewiesen. Hat Gott einen Auftrag für uns, seine Welt zu verändern, damit die Welt seiner Schöpfung, seinem Namen Ehre macht und nicht zur Hölle wird, für die Menschen seines Wohlgefallens. Für den Menschen, den Gott wenig niedriger gemacht hat als Gott. Ja, „der in euch ist, ist größer als der, der in der Welt ist.“ schreibt Johannes in seinem 1. Brief. Und deshalb sollen sich die Knie von Juden und Christen nicht beugen vor den Fürsten-Thronen dieser Welt. Deshalb sollen wir nicht kuschen, vor den Herren dieser Welt. Der Kirchentags- und spätere Bundespräsident Heinemann hat es wunderbar auf den Punkt gebracht: „Die Herren der Welt gehen. Unser Herr aber kommt.“

Und weil Jesus wiederkommen wird, weil Gott seine Welt nicht aufgegeben hat, sind wir in der Pflicht. Sind wir in Verantwortung. Jeder an seiner Stelle. Mit seinen Gaben. Zu widersprechen. Zu widerstehen. Wo Unrecht ist. Wo Unbarmherzigkeit regiert.

„Seht man musste sie begraben, die der Welt Gesetze gaben und ihr Wort hat nicht Bestand. Ihre Häuser wurden Trümmer, ihre Münzen gelten nimmer, die man in der Erde fand. Ihre Namen sind verklungen, ihre Lieder ungesungen, ihre Reiche menschenleer. Ihre Spiegel sind zerbrochen, ihre Sprachen ungesprochen, ihr Gesetz gilt längst nicht mehr. Jesu Name wird bestehen. Jesu Reich nicht untergehen. Sein Gebot gilt alle Zeit. Jesu Wort muss alles weichen und ihn kann kein Tod erreichen. Jesus herrscht in Ewigkeit.“

Das haben wir damals in Potsdam in der Jungen Gemeinde gesungen in der Zeit der Deutschen Teilung. In der Zeit, als von der sowjetischen Armee geschützt, die Mauer Deutschland teilte und eine unmenschliche Ideologie im Osten die Menschen an ihrer Entwicklung hinderte. Fast geschrien haben wir es, um uns selbst zu überzeugen, um uns Mut zuzusingen. Und so ist es gekommen – die Münzen der DDR und ihre Gesetze gelten längst nicht mehr. Und auch die D-Mark gibt es Gott sei Dank nicht mehr, weil wir einen nächsten großen Schritt auf ein gemeinsames Europa zugegangen sind, als vor 20 Jahren der Euro eingeführt worden ist. Eine Vision hat es gebraucht dafür und Mut, unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Und eine Verfassung für dieses Europa hätten wir haben können, wenn nicht so viele sich in ihre Nationalstaaten zurückgezogen hätten und die Lehren des Doppelten Weltkrieges in den Wind geschrieben hätten. Ja, wir brauchen um die Aufgaben von heute zu lösen, eine Europäische Republik, wie man vor 200 Jahren Länder und Staaten brauchte, als die Stadtstaaten oder die Fürstentümer zu klein waren für die Lösung der Aufgaben von damals. Und wenn wir die größte Herausforderung von heute sehen und spüren, den Klimawandel, der doch vor unseren Augen stattfindet, dann ahnen wir nicht nur, dann könnten wir auch schon wissen, dass wir für die Lösung dieses Problems eine Globale Republik brauchen. Und auch um den Hunger zu beseitigen, das Himmel schreiende Unrecht in unserer so schlecht von uns organisierten Welt. Und diese Globale Republik wäre doch auch eine menschliche Antwort auf das kommende Reich Gottes. Nicht um etwas Menschliches an die Stelle des Reiches Gottes zu setzen. Sondern um auf Gottes kommendes Reich uns menschlich vorzubereiten. Um Gottes Willen nicht so widerwärtig und hochmütig zu widerstehen. Das ist kein linkes Projekt. Sondern ein verständiges, ein christliches Projekt. Im Gehorsam auf Gottes Willen. Bleiben sie gesundBehütet.

 

27.10.2020

Liebe Schwestern und Brüder,

Allein schon deshalb steht dem Menschen, der das Buch Hiob geschrieben hat, auf ewig ein Platz in der Weisheitsliteratur zu: „Ich weiß wohl, es ist so: Wie könnte ein Mensch recht behalten gegen Gott. Hat er Lust, mit ihm zu streiten, so kann er ihm auf Tausend nicht eines antworten.“ Und auch der Großmeister Goethe hat mit dem Prolog vom Buch Hiob seinen „Faust“, unsere Nationaldichtung beginnen lassen. Denn Faust will wissen, will mehr erkennen und deshalb verpfändet er sein Leben an Mephistopehles, den Teufel, den Diabolos, den Zerstreuer. Um mehr zu erkennen. Und wer sich als Wissenschaftler einmal an den Versuch neuer Erkenntnis gemacht hat, weiß: Eine Antwort gebiert mindestens zwei neue Fragen. Und so verdoppelt sich in weniger als 4 Jahren alle Erkenntnis, die Menschen neu gewinnen. Und wenn, wofür derzeit alles spricht, das Universum sich seit 13, 6 Milliarden Jahren unentwegt weiter entwickelt, dann ist es doch genauso, wie es Hiob vor mindestens 2500 Jahren erkannte: Wir könnten Gott nicht auf Tausend eines richtig antworten. Das ist kein Grund zu verzweifeln. Das ist kein Grund, unser Forschen einzustellen. Denn das Wundervolle ist doch, das all unser Forschen schon jetzt dazu geführt hat, dass wir länger leben können und dass mehr Menschen in Wohlstand oder zumindest erträglich leben können. Und deshalb also weiter mutig und tapfer voran. Wohlwissend, dass wir um so weiter wir kommen, um so klarer sehen, wie viel wir noch nicht wissen. Oder vielleicht auch gar nicht wissen können. Weil wir eben nur erkennen können in dem unserem Gehirn zugänglichen Dimensionen von Raum und Zeit. Mehr lässt unser Gehirn nicht zu. Aber doch zumindest so viel, dass wir mit dem großen Physiker Hawkins wissen, dass es mehr Dimensionen gibt, als die, die wir erkennen können. Und wenn man sich vor Augen hält, was das Hinzutreten der Dimension Zeit aus dem Raum macht, ahnen wir, was eine fünfte Dimension verändern würde. Aber eben auch nicht so hochmütig, wie einige Wissenschaftler, die über den Satz der Bibel lachen wollen, dass der Mensch von Adam abstammt. Natürlich stammt er nicht von Herrn Adam ab, der irgendwo wohnte und eine Frau namens Eva hatte. Aber natürlich stammt der Mensch von Adam ab. Denn Adam heißt Mensch und der Mensch, wie wir ihn kennen, stammt seit Tausenden von Jahren von einem sich immer weiter und immer wieder ändernden Menschen ab. Und seine Frau war Eva, Hawa, was soviel wie Leben heißt. So klug waren unsere jüdischen Vorgänger in der Erforschung der Welt nun alle mal.

Und diese Losung wird ergänzt um den Lehrtext für heute: „Der Schriftgelehrte sprach zu Jesus: Ja, Meister, du hast recht geredet! Er ist Einer und ist kein anderer außer ihm; und ihn lieben von ganzem Herzen, von ganzem Gemüt und mit aller Kraft, und seinen Nächsten lieben wie sich selbst, das ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer. Da Jesus sah, dass er verständig antwortete, sprach er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes.“

Liebe ist eine oder gar die größte Erkenntnisquelle. Nicht nur weil man die Schöpfung Gottes lieben muss, um ihre Evolution zu erforschen. Sondern vor allem, weil Liebe ebenbürtig macht. Liebe bringt einen auf Augenhöhe, mit dem, was man erforscht. Liebe nimmt einem die Angst und wehrt dem Hochmut. Und deshalb ist Liebe nicht nur für das Miteinanderleben, sondern auch für die Forschung der beste Ratgeber, weil es mich ins rechte Verhältnis bringt zu dem, was ich erforschen will. Bleiben sie gesundBehütet.

 

28.10.2020

Liebe Schwestern und Brüder,

Wo ist ein Fels außer unserm Gott?“ fragt der Beter in Psalm 18. Wenn ich das lese, tritt mir der kluge Satz von Archimedes vor Augen: „Gib mir einen Punkt, wo ich sicher stehen kann oder einen Hebel, der lang genug ist, und ich bewege die Erde.“ Physikalisch ist das bis heute völlig richtig und klar. Aber wir haben diesen Punkt nicht und wenn wir ihn hätten, würde uns wohl der Hebel fehlen. Aber im Glauben finden wir zumindest für die Erde diesen festen Punkt, von wo aus sichere Erkenntnis zu gewinnen ist.

6 Millionen Juden haben wir Deutschen von 1938 – 1945 umgebracht. Wohl knapp die Hälfte der damaligen Zahl der Juden. Heute gibt es wieder rund 15 Millionen Juden weltweit – die meisten natürlich in Israel, das als Antwort auf Auschwitz gegründet worden ist, dort wo es bis ca. 70 nach Christus bestand. Das sind etwa 0, 19 % der Weltbevölkerung, also 0,2 %. Ein Fünftel Prozent. Und wissen sie wie hoch die Zahl der jüdischen Nobelpreisträger ist? Nicht der aus Israel. Sondern der jüdischen Nobelpreisträger. 37 % aller Nobelpreise gingen bisher an Juden. Das ist rund 200 mal höher als ihnen sozusagen zusteht von ihrem Anteil an der Weltbevölkerung. Deshalb denken viele, die Rasse der Juden wäre etwas besonderes. Das ist bullshit. Wirklicher Mist. Das ist Müll. Sie werden kein jüdisches Gen finden. Denn die Juden leben unter allen Völkern, sind zerstreut über die ganze Welt. Sind in der Diaspora, in der Zerstreuung. Und was also macht sie so besonders? Wenn nicht die Gene? Irgendworan muss es ja liegen. Von nichts kommt nichts. Dass sie in ihrem Glauben, in ihrer Tradition mit Gott diesen festen Punkt gefunden haben. Auch wenn sie nicht mehr selber aktiv glauben. Aber zumindest eben im alten Auftrag Gottes im Lesen, im Schreiben und im Forschen diesen Fels gefunden haben und nicht im Morast der Belanglosigkeit.

Und der Jude Paulus schreibt in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth über den Sohn Gottes, den er erst eifersüchtig verfolgt hat, der sich ihm dann aber vor Damaskus so offenbart hat, dass er sein Leben neu begonnen hat: „Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“ Und das meint zum einen natürlich den Heiland, dem Retter, dem Menschen ihr Leben anvertrauen und zu Christen werden. Das meint nun aber auch den Christus, von dem der Evangelist Johannes sagt, dass er das Wort Gottes ist, das im Anfang bei Gott war und durch das Gott alles geschaffen hat. Dieses Glaubensbekenntnis hat nicht nur Altmeister Goethe zum Nachdenken und zum Widerspruch angeregt. Sondern diesem Satz verdanken wir das Entstehen der modernen Naturwissenschaft, die doch soviel wirkmächtiger als jede bisherige und ja nun wirklich auch großartige Form von Wissenschaft ist. Denn nach Luther hat man, weil man glaubte, jedes Wort der Bibel sei von Gott inspiriert, sich auf die Suche nach dem Wort gemacht, mit dem Gott die Welt geschaffen hat. Und hat versucht es nach zu buchstabieren. Und hat fest geglaubt, gedacht, gehofft, dass man dieses göttliche Wort dann mit menschlichen Worten nachbuchstabieren könnte. Und wenn man das könnte, dann so hoffte man, kann man sozusagen wie Gott auch etwas schaffen, weil man ja sein Schöpfungswort nun nicht wie Gott, aber auf menschlich sozusagen sprechen kann. Und siehe da, dem frommen Theologen Kopernikus gelang das. Und mit seinem Naturgesetz hat er den frommen Kepler inspiriert und sie haben mit den Naturgesetzen eine menschliche Form gefunden, Gottes Reden in der Schöpfung gläubig nach zu vollziehen. Und es funktionierte. Und so ging es weiter bis heute. Denn diese moderne Naturwissenschaft ist nicht vom Himmel gefallen. Oder doch. Genau das. Denn sie verdankt sich dem Wort, was man als Wort von Gott hörte und auf das man sich einließ und dann nicht verlassen war. Sondern einen festen Fels, eine klare Systematik für alle weitere Erkenntnis gefunden hatte. Das die damalige altmodische Kirche damit genauso große Probleme hatte wie der damalige Staat, geschenkt. Sie konnten zum Schweigen oder besser zur Entwicklung gebracht werden. Denn dem Wort Gottes kann sich auf Dauer weder Staat noch Kirche verschließen. Bleiben sie gesundBehütet.

 

29.10.2020

Liebe Schwestern und Brüder,

Ihr sollt nichts dazutun zu dem, was ich euch gebiete, und sollt auch nichts davon tun, auf dass ihr bewahrt die Gebote des HERRN, eures Gottes.“ aus dem 5. Buch Mose ist die Losung für heute. Und Johannes erklärt in das in seinem 1. Brief so: „Meine Lieben, ich schreibe euch nicht ein neues Gebot, sondern das alte Gebot, das ihr von Anfang an gehabt habt. Das alte Gebot ist das Wort, das ihr gehört habt.“ Also geht es in der Bibel auf Ihren sagenhaften 1200 Seiten, zumindest in meiner Bibel, immer nur um das eine Wort Gottes. Das wir hören und befolgen, bewahren und erklären sollen. Es geht also auf diesen 1200 Seiten immer um das Wort Gottes in seiner menschlichen Gestalt. Im Hebräisch der Juden und dem Griechisch der ersten Christen. Deshalb also so viele Seiten. Weil so viele Menschen zu so verschiedenen Zeiten, auch knapp 1200 Jahren, von König David bis zur Offenbarung des Johannes auf Gott hörten und dann, das was sie hörten, in menschlichen Worten zu ihren Mitmenschen sagten. Die ersten Hörer hörten am ursprünglichsten, am besten, am genauesten. Deshalb hat ihre menschliche Entsprechung des einen Wortes Gottes so eine hohe Bedeutung, so hohe Relevanz bis heute für uns. Und in ihrer Folge, ihrer Nachfolge, auf Ihren Schultern stehend, hören wir heute, was sie damals hörten. Und wir hören es wie sie wieder ganz neu. Und anders. Von ihnen ausgehend. Und doch spricht Gott durch ihr Wort mit uns. Zu uns.

Wir kennen das doch alle von dem einen Grundwort unserer Sprache – dem lautmalerischen Mama, dem ersten Wort, was wir alle zuerst sprechen. Und doch jeder damit anderes verbinden. Nicht nur jemand anderen. Sondern es auch anders verstehen, begreifen, es anders in uns wirkt. Wir alle verstehen das Wort Mama und natürlich auch Papa aufgrund unserer individuellen Erfahrung, unserer Fragen und unserer Perspektiven. Verstehen ist also immer genau wie Gott ein dreifaltiger Vorgang. Eine dreifaltige Begegnung in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Also den Erfahrungen aus der Vergangenheit, den Fragen unserer Gegenwart und den Perspektiven unserer Zukunft. So gibt es zwar ein Wort Mama, aber so viele Verständnisse dieses Wortes, wie es Menschen gibt. Denn zum Menschsein gehört eine Mama, eine Mutter haben dazu. Keiner ist ohne Mutter. Und so verstehen wir auch Gottes Wort dreifaltig. Von Anfang an. Deshalb ist Gottes Wort im Munde des Menschen so vielgestaltig wie die Bibel, wie die biblischen Texte. Und dieses Wort Gottes war immer und ist heute und wird immer Liebe sein. Beim Wort Gottes geht es immer um die Liebe Gottes zu uns Menschen, zu seinem Geschöpf. Auch im Alten Testament. Denn Jesus hat ja die 613 Gebote des Alten Testament nur in einem einfachen Dreifachgebot der Liebe zusammen gefasst. Und hat den Kern der anderen Gebote, ihre eigentliche Botschaft, eben in der Liebe Gottes und zu meinem Nächsten wie mir selbst entdeckt und erfahren. Und Jesu einfaches Dreifachgebot der Liebe hat diese Wirkung bekommen, weil man ihm wegen seiner Liebe geglaubt hat, dass in ihm nicht nur Gott selbst mit uns spricht, sondern dass Jesus auch Gott selbst an der Seite des Menschen ist. Denn bei Jesus ging die Liebe so weit, wie bei keinem Menschen zuvor. Er war der erste moderne Mensch in seiner Haltung, die wie in der Taufe keinen Unterschied mehr machte in den Rechten von Männern und Frauen. In seiner Liebe zu uns hat er nicht nur wunderbar einfach und klar sprechen können, wie keiner vor ihm. Sondern er hat seine Liebe gelebt, bis zum Tode am Kreuz. Weil er sich eben nicht davon gemacht hat oder geleugnet hat wie Petrus. Weil er zu seinem Wort gestanden hat, eingestanden ist dafür, auch als die Juden diese moderne und zugleich ursprünglich alte Form der Aussprache des göttlichen Wortes nicht mehr ausgehalten haben und ihn lieber umbrachten und daher die Römer aufforderten, Jesus zu kreuzigen. Und denen, die ihm nachfolgten, wie Stephanus und Petrus und Paulus und den Märtyrern der ersten dreihundert Jahre ging es genauso. Das Blut der Märtyrer wurde der Samen der Kirche. Denn jeder unschuldig vergossene Tropfen Blut bringt Menschen dazu zu fragen: Woher nehmen die die Kraft? Warum machen die das? Und die Antwort, die sie dann bekommen ist zugleich schon ihr Glaubensbekenntnis. Bleiben sie gesundBehütet.

 

30.10.2020

Liebe Schwestern und Brüder,

„Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum HERRN; denn wenn's ihr wohlgeht, so geht's euch auch wohl.“ begleitet uns als Losung aus Jeremia 29 durch den Monat Oktober.

In der Zeit der Teilung von Deutschland und Berlin haben wir uns im Osten immer gefragt, was das nun konkret für uns heißen kann. Denn dass man das Unrechtsregime der SED stützen solle, konnte damit ja nicht gemeint sein. Die SED, die Sozialistische Einheitspartei, hatte eine Diktatur der Arbeiterklasse errichtet. Und weil viele sich dabei um ihre Zukunft betrogen fühlten, haben Sie dann 1961 auch noch eine Mauer gebaut. Um so alle zwingen zu können, an ihrem Experiment teilzunehmen. Sie haben kurz nach der Gründung der DDR 1949 versucht, die Kirchen und die Christen zu marginalisieren. Aber die Kirchen in Ost und West sind in Partnerschaft verbunden geblieben. Es gab für jede Gemeinde im Osten eine Patengemeinde im Westen. Man besuchte sich und feierte gemeinsam Gottesdienste. Und erzählte sich von den unterschiedlichen Formen zu leben. Ich habe in Babelsberg 1977 unsere Partnergemeinde aus Karlsruhe kennen gelernt und eine Freundin gewonnen, die mich mit ihren Freunden von da an oft in Potsdam und Berlin besuchte. So gewann ich einen größeren Überblick, Einblicke, die mir den Blick über den von der SED erlaubten Tellerrand ermöglichten. Und als dann die Kirchen in der Bundesrepublik anboten, Geld für den Berliner Dom und neue Kirchen in Neubaugebieten zu geben, hat der Staat DDR, die SED schnell zugegriffen, denn sie brauchten Valuta, um von ihrem eigenen Versagen abzulenken. Und so wurde für mich immer klarer, dass der Stadt Bestes zu suchen, ein Kampf um Wahrheit sein musste. Das Beste der Stadt und des Staates konnte nur gelingen, wenn wir nicht nur eine sozialistische Demokratie haben würden, sondern eine wirkliche. In der jeder fragen konnte, was ihn interessiert und gesagt werden durfte, was jeder sieht. Und nachdem ich 1986 das erste Mal meine Großeltern im Sauerland besuchen durfte, war mir klar: Entweder ich suche in der DDR mit den neu gefundenen Einsichten das Beste von Stadt und Staat oder ich gehe resigniert in den Westen, wo die Menschen in Freiheit schon lebten, was wir für den Osten Deutschlands erst noch erreichen mussten.

Die Kirche im Westen, die Kirche von Rom, hat anders als die Kirche im Osten, von Byzanz, sich nie auf das Beten beschränkt. Sondern sie hat sich eingemischt. Hat den absoluten Herrschern ihre Allmacht bestritten. Und hat immer versucht, den Widerspruch unserer Welt zum kommenden Reich Gottes zu mindern. Luther hat das mit seiner Zwei Reiche Lehre versucht, theologisch zu beschreiben. Aber ich habe mich immer stärker inspiriert gefühlt von der Lehre der Königsherrschaft Jesu Christi. Habe immer lieber gesungen “Jesus Christus herrscht als König“ als „So nimm denn meine Hände“. Denn als der Reformierte Karl Barth die Theologische Erklärung von Barmen schrieb, hat die Lutherische Kirche geschlafen. Und ist heute dankbar, dass sie an dem Widerstand der Bekennenden Kirche teilgenommen hat. Auch wir als Kirche können uns nicht quietistisch in unsere Kirchenbänke verdrücken und beten, sondern die Hände, die zum Beten ruhn, macht Gott dann eben auch stark zum Tun. Die Vernunft, die in Gebet und Gottesdienst den Willen Gottes für seine Welt vernommen hat, die ist dann auch in der Lage, konkrete Vorschläge zu machen für Frieden und Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung. Unsere Verantwortung für die Welt ist so wie unser Glauben – dreigestaltig, dreifaltig. Eines geht nicht ohne das andere. Ora et labora. Beten und Arbeiten, daran, dass unsere Welt nicht in diesem unerträglichen und widerlichen Widerspruch zu Gottes kommender Welt, seinem heutigen Willen steht.

Bleiben sie gesundBehütet.

Letzte Änderung am: 26.10.2020