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Leserbriefe

Zuschriften von Gemeindegliedern, die für unsere Gemeinde von allgemeinem Interesse sind, veröffentlichen wir mit deren Zustimmung gern an dieser Stelle.

 

 

Leserbriefe etc.

Gudrun Niemann, Kindheitserinnerung an Glaube und Kirche

 

Der liebe Gott sieht alles, er ist überall.

1949 schenkte mir meine Omi zu meinem 5. Geburtstag mein erstes Buch mit dem Titel: „Puck und Heide, die beiden Zwergenkinder", ein Bilderbuch mit Text in Versform. Da ich oft und gerne bei Opa und Oma am Wochenende übernachtete, nahm ich jedes Mal das Buch mit und Oma musste es so oft vorlesen, dass ich noch heute die Verse auswendig hersagen kann.

Am Sonntagmorgen gab es fast immer für mich ein gekochtes Ei zum Frühstück. Zu dieser Zeit war das nicht selbstverständlich, Lebensmittel waren teuer und nicht üppig. ich hatte das Ei schon fast halb aufgegessen, bevor Oma und Opa am Tisch Platz genommen hatten. Omi ermahnte mich, doch ich stritt ab, dass ich das Ei schon halb aufgegessen hatte. Da sagte sie zu mir: "Du darfst nicht lügen, der liebe Gott sieht alles." Meine Neugierde war geweckt. Ich wollte wissen, wie der liebe Gott in die Küche kommen kann. Oma erklärte mir, dass er uns überall begleitet und immer bei uns ist. Dieser Satz beschäftigte mich in der nächsten Zeit ständig. Ich wollte mehr über den lieben Gott erfahren.

Da passte es gut, dass unsere 13jährige Nachbarstochter mich zu einem Besuch in den Kindergottesdienst mitgenommen hat. Dieser fand in der Parterrewohnung der Gemeindeschwester Martha, ca. 1 km von zu Hause entfernt, statt. Unsere zuständige Kirche war noch viel weiter entfernt. In den Parallelstraßen gab es noch zahlreiche Ruinen aus Kriegstagen. Eine sehr liebe Dame, Gemeindeschwester Martha, in einem langen schwarzen Kleid mit einer hübschen weißen Haube auf dem Kopf, begrüßte uns ganz freudig und zeigte uns unseren Platz auf einem der Stühle in der ersten Reihe in einem Zimmer mit ca. 2 Stuhlreihen zu je 10 Stühlen, die bald alle besetzt waren. In einer Ecke stand ein Harmonium, daneben ein Tisch, der als Altar hergerichtet war. Nach dem Eingangslied mit Harmonium Begleitung, betrat Pfarrer Richter in schwarzem Talar den Raum und hielt seine Predigt, kindgerecht und spannend. Am Ende des Gottesdienstes verabschiedete er sich von jedem und sprach uns mit Namen an.

Und dann kam das Beste. Von Schwester Martha bekamen wir ein kleines buntes Glanzbild zum Sammeln, ca. 3 x 5cm groß, meist mit dem Bild einer Blume drauf, welches wir wie einen Schatz nach Hause trugen. Ungeduldig habe ich mich schon auf den nächsten Sonntag gefreut.

Mindestens 5 Jahre hat der Kindergottesdienst in dieser Wohnung stattgefunden, bevor ich das erste Mal in unserer großen Kirche (Philipp Melanchthon Kirche) war. Die kam mir wie ein Dom vor, so weit, so groß der Innenraum. Der Klang der Orgel, der wunderbare Chor. es war einfach überwältigend. Da habe ich es gespürt, was Oma gesagt hat: der liebe Gott ist überall und immer bei uns.

Gudrun Niemann, 38.3.2019

 

 

Gott vollbringt Wunder

1950 wurde ich eingeschult. Ich war ganz stolz, durch meine Kindergottesdienst-Besuche im Religionsunterricht schon einiges beantworten zu können, was die anderen Kinder noch nicht wussten. Unsere Religionslehrerin hieß Frau Goldacker, eine ältere Dame, die sehr liebenswert war.

Eines Tageserzählte sie uns im Zusammenhang von Krieg. Gewalt und Vergebung, dass ihre Tochter in russischer Gefangenschaft ist und wir alle fürsie beten sollen und Gott bitten. dass ihre Tochter zu ihr zurückkehren kann.

Jeden Abend habe ich versucht. daran zu denken, für die Tochter von Frau Goldacker zu beten.

Ich weiß heute nicht mehr, wieviel Zeit vergangen war. als sie eines Tages in den Unterrieht kam und mit Tränenin den Augen sagte: „Kinder, ich danke euch allen sehr, dass ihr für mich und meine Tochter gebetet habt.Ein großes Wunder ist geschehen, ich habe meine Tochter wieder. Abgemagert und schwach ist sie aus der Gefangenschaft zurückgekehrt".

Stolz fühlte ich, ihr Glück, das war auch mein Verdienst,weil ich dafür gebetet habe.

Gudrun Niemann 2019

 

Letzte Änderung am: 12.10.2020