Wir besprechen den Gesellschaftsroman »Der Stechlin« (1898) von Theodor Fontane (1819–1898).
Er ist als Taschenbuch bei dtv erschienen, hat 560 Seiten und kostet 16,00 Euro.
Fontane gilt als der überragende Hauptvertreter des poetischen Realismus in Deutschland und Begründer des modernen deutschen Gesellschaftsromans. Erst mit knapp 60 Jahren veröffentlichte der Apotheker, Journalist, Reiseschriftsteller, Auslandskorrespondent, Theaterkritiker und Kriegsberichterstatter seinen ersten Roman »Vor dem Sturm«.
Wir lesen mit »Der Stechlin« den letzten Roman Fontanes. Dieser wurde in den Jahren 1895 bis 1897 verfasst, erschien als Buchausgabe im Oktober 1898 – einen Monat nach dem Tod des Autors – und gilt als die Krone seines Schaffens.
Der Roman führt uns an den sagenumworbenen Stechlinsee im Ruppiner Land. Hier lebt der alte Dubslav von Stechlin, Major a. D. und Witwer, ein Vertreter des alteingesessenen märkischen Adels, in seinem renovierungsbedürftigen Herrenhaus.
Die Lebens- und Heiratspläne seines Sohnes Woldemar werden zum zentralen Thema der Geschichte.
Der Roman besticht allerdings nicht durch seine äußere Handlung – »Zum Schluss stirbt ein Alter, und zwei Junge heiraten sich« – so spottete Fontane einst ironisch über den Inhalt seines berühmten Zeitromans – sondern durch seine unnachahmliche Kunst des Gesprächs. Es wird geplaudert, politisiert, gelacht und philosophiert. Bei Kaffee und Kuchen, bei Spaziergängen und Abendessen entfaltet sich das ganze Panorama einer Epoche, die zu Ende geht.
Fontane blickt mit Altersweisheit, Milde und einer großen Portion Humor auf das Leben zurück und auf den Übergang von der alten, vertrauten Welt in eine neue, moderne Zeit. Für uns ist dieser Roman heute wie ein wunderbarer Spiegel. Wir wollen uns austauschen über die unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Ansichten und die Fragen des Lebens.
Wir freuen uns auf euch. Wer Lust hat, diesen anregenden Austausch zum ersten Mal auszuprobieren, ist herzlich eingeladen. Auf alle Wiederkehrenden freuen wir uns sehr.
Dr. Gyde Pulmer